Der siebenarmige Leuchter: Vom Sinai zum Staatswappen Israels

menora

Ausgewählt wurde schließlich die Menorah mit den sieben Sternen, die von den Kunstgrafikern Walisch und Struski entworfen worden war. Die sieben Sterne entstammten einem Vorschlag Theodor Herzls für die Flagge des jüdischen Staates und sollten nach seinen Worten „die goldenen Stunden des Arbeitstages“ symbolisieren. So sollte im Emblem der „Menorah“ die jüdische Geschichte mit dem modernen säkularen Liberalismus von Theodor Herzl verbunden sein.

Der Ausschuss war sich einig, dass das antike Zeichen der Menorah im Staatswappen sein sollte. Bis das Staatswappen in der heutigen Form dann allerdings vorlag, gab es noch viele Vorschläge. An einer neuen Ausschreibung beteiligten sich 131 Künstler. Die Brüder Schamir brachten dann die Idee der Ölzweige ins Spiel. Ihre sehr moderne Gestaltung des Leuchters wurde allerdings nicht übernommen, sondern die ursprüngliche Abbildung vom Titusbogen in Rom. Per Gesetz darf das Staatswappen Israels nur in offiziellen Dokumenten der israelischen Regierung abgebildet sein.

Von Mose und Aaron bis zur Sippe Kehat

Die Geschichte der Menorah beginnt am Berg Sinai. Dort gab Gott genaue Anweisungen, wie der siebenarmige Leuchter auszusehen hatte. Auch zeigte der Herr dem Mose einen Plan: „Und sieh zu, dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist“ (2. Mose 25,40).

Bezalel, der Künstler, der die Geräte für das Heiligtum herstellen sollte, war vom Herrn ausdrücklich berufen und mit dem Heiligen Geist erfüllt worden, „mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit aller Geschicklichkeit, kunstreich zu arbeiten in Gold, Silber, Kupfer, kunstreich Steine zu schneiden und einzusetzen und kunstreich zu schnitzen in Holz, um jede Arbeit zu vollbringen“ (2. Mose 31,3-5). Zur Anleitung seiner Mitarbeiter hatte ihm der Herr außerdem „die Gabe zu unterweisen, ins Herz gegeben“ (2. Mose 35,34).

Die Mittel für die Herstellung der Geräte kamen ausschließlich aus freiwilligen Gaben. Der Segen Gottes lag greifbar auf seinem Volk, das viel zu viel spendete, so dass Mose ausrufen lassen musste: „Niemand, weder Mann noch Frau, soll hinfort noch etwas bringen als Opfergabe für das Heiligtum… Denn es war genug gebracht worden zu allen Arbeiten, die zu machen waren, und es war noch übrig geblieben“ (2. Mose 36,6.7).

Der siebenarmige Leuchter und sein Zubehör, Lichtscheren und Löschnäpfe, waren aus purem Gold gefertigt. Mose setzte ihn in die Stiftshütte „gegenüber dem Tisch an die Seite der Wohnung nach Süden und setzte die Lampen auf vor dem Herrn, wie ihm der Herr geboten hatte“ (2. Mose 40,24-25).

Nun war es die Aufgabe Aarons, des Hohenpriesters, die Lampen so aufzusetzen, „dass sie alle sieben von dem Leuchter nach vorwärts schienen“ (4. Mose 8,2). Das Reinigen und Nachfüllen der Lampen war Sache der Leviten aus der Sippe Kehat (4. Mose 3,31). „Vom Abend bis zum Morgen“ sollte die Menorah „vor dem Herrn“ brennen, gespeist durch „das allerreinste Öl aus zerstoßenen Oliven“ (2. Mose 27,20).

Von Salomo bis zu Antiochus Epiphanes

Als König Salomo in Jerusalem den Tempel baute, ließ er gleich zehn goldene Leuchter anfertigen, „fünf Leuchter zur rechten Hand und fünf Leuchter zur linken vor dem Chorraum von lauterem Gold mit goldenen Blumen, Lampen und Lichtscheren“ (1. Könige 7,49). Zwar wird bei der Einweihung berichtet, dass die Priester die Bundeslade, „dazu die Stiftshütte und alles Gerät des Heiligtums“ brachten (1. Könige 8,4). Aber die Menorah Bezalels wird seit dieser Zeit nicht mehr erwähnt.

Die wertvollen Schätze im Tempel von Jerusalem ließen die Nachbarvölker Israels und ihre Könige nicht mehr ruhig schlafen. Im 6. Jahrhundert vor Christus raubte der babylonische Herrscher Nebukadnezar „alle Schätze im Hause des Herrn und im Hause des Königs und zerschlug alle goldenen Gefäße, die Salomo, der König von Israel, gemacht hatte“ (2. Könige 24,13). Nicht nur die Tempelschätze, sondern auch das Volk selbst wurden noch oft zerschlagen und weggeführt, nicht nur wegen der materiellen Werte, sondern auch weil der Glaube Israels den Nachbarn ein Dorn im Auge war.

169 vor Christus plünderte der Seleuzidenherrscher Antiochus IV. Epiphanes den Jerusalemer Tempel. Er „ging frech und ohne Scheu in das Heiligtum und ließ wegnehmen den goldenen Altar, den Leuchter und alle Geräte, die dazu gehören“ (1. Makkabäer 1,23). Sein Bestreben war, Religion und Kultur der Griechen in seinem ganzen Königreich zu verbreiten.

Deshalb ließ Antiochus den jüdischen Gottesdienst und die Feste Israels abschaffen. Er verbot die Beschneidung und ließ Götzenbilder und Altäre errichten, auf denen Schweine und andere unreine Tiere geopfert wurden, auch im Tempel. „Auch ließ er die Bücher des Gesetzes Gottes zerreißen und verbrennen und alle, bei denen man die Bücher des Bundes Gottes fand, und alle, die Gottes Gesetz hielten, totschlagen“ (1. Makkabäer 1,59).

Die Familie des Priesters Mattathias

Der jüdische Historiker Flavius Josephus schildert in seinen „Jüdischen Altertümern“[1], wie der heidnische Kult verbreitet wurde und dann den Makkabäeraufstand auslöste: Die Beamten von Antiochus Epiphanes kamen in das Dorf Modiin, um die Bewohner zu zwingen, Opfer nach den Anordnungen des Königs zu bringen. Sie verlangten „von Mattathias, der seiner Gelehrsamkeit wegen in hohem Ansehen stand, er solle mit den Opfern beginnen; seine Mitbürger würden sich dann nach ihm richten und er dem Könige besonders wohlgefällig werden.“

„Mattathias aber weigerte sich dessen und erklärte, wenn auch andere Familien, sei es aus Furcht, sei es aus Kriecherei, den Befehlen des Antiochus folgten, so werde doch er mit seinen Söhnen nie dahin zu bringen sein, dass sie dem Gotte ihrer Väter untreu würden.“

„Kaum hatte er dies gesprochen, da trat ein Jude hervor und brachte das Opfer nach des Königs Vorschrift dar. Als Mattathias das sah, griff er mit seinen Söhnen zum Schwerte, tötete den Juden am Altar, machte den königlichen Beamten Apelles, der ihn dazu gezwungen, nebst einigen Soldaten nieder, stürzte den Altar um und rief aus: ‚Jeder, der noch für die Gebräuche unserer Väter und die Verehrung Gottes eifert, folge mir nach!’“

„Darauf zog er mit seinen Söhnen unter Zurücklassung seiner ganzen Habe in die Wüste, wohin gleich ihm noch viele andere flohen und in Höhlen sich ansiedelten“ (Antiquitates xii 6,2).

Bevor der Priester Mattathias starb, betete er für sein Volk und wies seine Söhne an: „Scheut selbst vor dem Schwierigsten nicht zurück und gebt, wenn es notwendig ist, gern euer Leben dahin. Ganz besonders aber ermahne ich euch zu Eintracht: übe ein jeder von euch seine Tugenden, ohne die Vorzüge des anderen zu verkennen!“

„Den Makkabaeus aber wählt um seiner Tapferkeit und Stärke willen zu eurem Heerführer im Kriege. Denn er ist der Mann, der die Schmach seines Volkes rächen und die Feinde züchtigen wird“ (Antiquitates xii 7,3).

Die Worte des Patriarchen Mattathias trafen ein. Der Aufstand war erfolgreich, und unter der Führung von Judas Makkabäus gelang es den Hasmonäern, ihre Feinde zu vertreiben und den Tempel wieder zu weihen. Neue Geräte wurden beschafft und eine neue Menorah aufgestellt: „Am fünfundzwanzigsten Tage des Monats Chaslev [heute „Kislev“], den die Macedonier Apellaios nennen, zündete man die Lampen auf dem Leuchter wieder an, brachte Räucherwerk dar, legte die Brote auf den Tisch und opferte zum erstenmal auf dem neuen Altare“ (Antiquitates xii 8,6).

„Judas feierte mit seinen Mitbürgern die Wiedereinrichtung der Opfer im Tempel acht Tage lang unter lautem Jubel. Kostbare und herrliche Opfer lieferten die Speisen zum Mahle, und man ehrte Gott durch Lobgesänge und Psalmen, während das Volk in Freuden lebte.“

„Dieses Fest“, schreibt Josephus, „feiern wir von jener Zeit an bis heute und nennen es das Fest der Lichter, weil, wie ich glaube, die freie Ausübung unserer Religion uns unerwartet wie ein Lichtstrahl aufgegangen ist“ (Antiquitates xii 8,7).

Das Symbol dieses Festes der Tempelweihe, hebräisch „Chanukka“, ist ein achtarmiger Leuchter, die „Chanukkia“. Er steht bis heute im jüdischen Leben als Symbol der Reinheit, Treue und Freiheit und dient als Erinnerung an den heldenhaften Glaubensmut der Makkabäer.

Von Pompeius bis zum Triumphzug in Rom

Die Freiheit des Volkes währte allerdings kaum ein Jahrhundert. Schon bald wurden die Juden gezwungen, Kompromisse mit der römischen Weltmacht einzugehen. Über die Eroberung Jerusalems durch den römischen General Pompejus in den Jahren 64 bis 63 vor Christus berichtet Josephus: „Der Tempel aber, dessen Inneres sonst unzugänglich und keinem Auge sichtbar war, wurde schwer geschändet. Denn Pompejus drang mit einer Anzahl seiner Begleiter in das Innere ein und sah, was kein Sterblicher ausser dem Hohenpriester erblicken durfte. Obwohl ihm aber der goldene Tisch, der heilige Leuchter, die Opferschalen, eine Menge Räucherwerk und ausserdem im Tempelschatz gegen zwei Tausend Talente Geld zu Gesicht kamen, rührte er aus Frömmigkeit nichts davon an, sondern benahm sich, wie man von seiner Tugend erwarten konnte“ (Antiquitates xiv 5,4).

Im Jahre 70 nach Christus eroberte der römische Feldherr Titus Jerusalem, plünderte es aus und zündete den Tempel an. Sein Vater, der römische Kaiser Vespasian, feierte seinen Sieg mit einem Triumphzug in Rom. Aus dieser Zeit berichtet Josephus Flavius zum letzten Mal über eine Menorah[2]: „Als Beute nunmehr wurde das übrige haufenweise vorbeigetragen; unter allem zeichnete sich das am meisten aus, was man im Tempel in Jerusalem genommen hatte: ein viele Talente schwerer goldener Tisch und ein ebenfalls aus Gold gefertigter Leuchter, in seiner Ausführung aber ganz verschieden von der Art, wie sie bei uns gewohnt ist“ (De Bello Judaico vii 5,5).

„Nachdem die Feierlichkeiten des Triumphs vorüber waren, und Vespasian die Lage im römischen Imperium vollkommen gesichert hatte, beschloß er, der Friedensgöttin einen Bezirk auszubauen… Hierhin ließ er auch die goldenen Weihegeräte aus dem Heiligtum der Juden bringen, auf die er stolz war“ (De Bello Judaico vii 5,7).

Um 81 nach Christus wurde zu Ehren des siegreichen Titus Flavius Vespasianus in Rom der so genannte „Titusbogen“ erbaut. Auf ihm ist unter anderem der Tempelschatz aus Jerusalem mit dem siebenarmigen Leuchter abgebildet.

Nach dem Verschwinden der letzten Spur

„Es werde Licht!“, sind die ersten Worte Gottes, die uns in der Schrift überliefert werden. Auf dem Berg Sinai war es dann der Herr selbst, der Mose den Auftrag gab, einen goldenen Leuchter herzustellen. Bis zum heutigen Tag ist die Menorah untrennbar mit Israel verbunden.

Die Geschichte des siebenarmigen Leuchters verkörpert das Schicksal des jüdischen Volkes. Er wurde mit Liebe gefertigt und bedient, vielfach geraubt, verschleppt oder vernichtet. Immer wieder wurde er erneuert und gereinigt, aber dann doch wieder entheiligt.

Die Menorah erlebte Zeiten des Friedens und des Krieges. Die Spur des historischen Leuchters endet in Rom. Aber die Menorah begleitete das jüdische Volk als Symbol fast 2.000 Jahre lang durch die Diaspora, bis sie schließlich am 10. Februar 1949 in das Staatswappen Israels eingegangen ist.

Die Kriege und Kämpfe sind noch nicht zu Ende. Aber umgeben von den beiden Ölzweigen aus der Vision des Propheten Sacharia bezeugt der siebenarmige Leuchter: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“ (Sacharia 4,6).

[1] Wir zitieren im Folgenden die Übersetzung der „Antiquitates Judaicae“ von Heinrich Clementz, Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer (Wiesbaden: Fourier Verlag, 11. Auflage 1993).

[2] Die folgenden Zitate aus „De Bello Judaico“ stammen aus Otto Michel/Otto Bauernfeind, Flavius Josephus, Der Jüdische Krieg, Band II,2 (München: Kösel-Verlag, 1969).

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Eine Antwort to “Der siebenarmige Leuchter: Vom Sinai zum Staatswappen Israels”

  1. Ich möchte gerne aus diesem Artikel in meiner Hausarbeit zitieren. Könnten Sie mir Autor und Datum nennen?

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