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Kaum eine spontane Wutreaktion – Das angebliche, neue „Israel-Feind-Erkennungssystem“ der Türkei brauchte zur Entwicklung wahrscheinlich mindestens mehrere Monate…

Posted in Aus dem Rechten Eck, Extremismus, Israel, Türkei on 18. September 2011 by derwille

Joschua Cohen, Eilat,

Während die Türkei weiter eskaliert und es wahrscheinlich jetzt auf eine offene Konfrontation mit Zypern/Griechenland ankommen lässt, indem es einfach ein norwegisches Bohrschiff in griechisch beanspruchte ‘wirtschaftliche’ Gewässer vor der östlichsten, winzigen griechischen Insel Kastelorizo schickt, und dann kuckt, ob die Griechen es sich trauen werden, das von der Türkei geschickte Schiff am Bohren zu hindern, hört sich die Frage nach den IFF-Umrüstung der Türkei gegen Israel wie Schnee von gestern an, verstärkt aber den Eindruck, dass Erdogan hier seit längerem eine handfeste Konfrontation plant…

Nach dem Bekanntwerden des neuen türkischen ‘Freund-Feind-Erkennungs-Systems’, welches nach türkischen Angaben das übliche NATO-System ersetzen sollte, um auch israelische Flugzeuge als ‘Feind’ kennzeichnen zu können, wandte ich mich an ‘unseren’ Luft- und Raumfahrtexperten Joschua Cohen, mit der Frage, wie lange man für die Entwicklung so eines Systems braucht, um festzustellen, wie ‘spontan’ oder ‘von längerer Hand geplant’ dieser weitere feindliche Zug Erdogans und Eskalation im türkisch-israelischen Verhältnis’ wirklich war. Hier seine Antwort…

Da es sich dabei eigentlich um 40er Jahre Technologie
handelt, sollte das nicht unendlich schwierig sein.

Normal braucht man gar kein neues entwickeln, sondern nur die Cryptoschlüssel austauschen und evtl. die Software (bei modernen Systemen) überarbeiten. (Spezielle Keys gibt’s eh vor jeder Mission bzw. in Kriegsfall komplett anderen Satz.)

Sicherlich könnte man bedenken haben, ob da noch irgendwo was fest programmiert ist, das man nicht ändern kann, aber ist
schon Paranoia.

Im Übrigen ist der Name fehlleitend.

Diese Systeme dienen nur der positiven Freund-Identifikation und klassifizieren ein anderes Luftfahrzeug bei nicht
korrekt antwortend NICHT automatisch als Feind.

Man will so Friendly-Fire-Unfälle vermeiden.

Oft genug kommt es aber vor, dass es nicht funktioniert, weil die Piloten/Techniker den falschen Schlüssel ausgewählt haben, dieser inzwischen abgelaufen ist, es Beschädigungen durch Kampfhandlungen am Jet gab, oder durch operieren in niedrigen Höhen die notwendige Line-of-Sight Verbindung nicht möglich oder durch Reflektionen an Hügeln, Wasserflächen und auch damit einhergehende Polarisationsänderung gestört wird.

Unkonventionell könnte man einfachere Systeme, bis hin zu
modifizierten Handys einsetzen. Piept immer ganz schick, jedes Mal wenn die
“Interrogation” nicht hinhaut und man benutzt dann im Briefing abgesprochene,
andere sichere Anflugprotokolle und Sektoren, den Funk, visuelle Identifikation
oder ähnliches.

Da es verschiedene Modi gibt in denen diese Systeme
funktionieren und weitere Standardisierungen existieren, um auch mit zivilem
Flugverkehr kompatibel zu sein, ist Deine Frage nicht einfach zu beantworten.

Letztlich hängt das auch damit zusammen in
wie weit die C2 und höheren C-Strukturen (bis C5I oder C4ISR) einbezogen
werden. Das in der NATO standardisierte Link 16 spielt dabei auch eine Rolle.

Sagen wir, wenn man von Grund auf komplett neu macht, mit
Vorkenntnissen und Elektronikkenntnissen: 2-3 Monate von der

Entwurfsphase bis zum Prototypen, mit
Erprobung 9.

Reines umrüsten geht schneller; eine komplett unabhängige
C2 Struktur zu entwerfen und einzuführen ist aber eine Aufgabe die ein
Jahrzehnt dauern kann.

Wenn man auf hohem Niveau macht wird’s dann tricky, weil
die sichere Identifikation und Führung eigener wie fremder Kräfte mit
ECM-Sicherheiten und Sicherheit gegen Feindaufklärung berücksichtigt werden
sollten.

Da kommen wir aber schnell in klassifizierte
Informationsregionen und modernste Radarsysteme und optoelektronische
Aufklärung und elektronische Kriegsführung.

U.a. werden dabei z.B. Radarechos
(Millimeterradar) der Turbinenschaufeln ausgewertet und so Typ Triebwerk und
Jet

zugeordnet, sowie das Flugverhalten des
Kontaktes bewertet.

Mit modernsten Phased-Array-Radaren wie z.B.
an Bord der F-22 und der entsprechenden Rechentechnik, geht dann noch einiges
Schönes, da man dort noch mit Welleninterferrenzen, Fake-Echos etc. arbeiten
kann.

Das ist aber schon andere Baustelle – simples IFF ist
eine einfache Transponder Sache – ich schicke ein Signal und das wird

entsprechend (Code) beantwortet – oder auch
nicht. Man stelle es sich als (schwaches) Sekundär-Radar vor, das aber auf
Mitarbeit der Gegenstelle setzt, ergänzend zum normalen aktiven
Flugtransponder.

Dann kommen bei höheren Modi noch
Zusatzinformationen dazu wie Rufzeichen, Flightlevel etc. und im Militärbereich
auch

Statusmeldungen über den Jet (Fuel,
verbleibende Bewaffnung, GPS Positionen, Spezial IDs usw., usf., das aber auch
in Spread Spektrum und Pulsverfahren, was dann nah bei Link 4…11…16 oder 22 ist).

NACHFRAGE Ulrich J. Becker: Sorry, wenn ich
versuche es für den Normalsterblichen einfacher verständlich zu machen: Wie
lange würdest du bei den Tuerken in etwa schätzen, dass sie an diesem Schritt
gearbeitet haben: ca. 3 Monate, oder 9?

 Ich schätze, dass sie mit dem Gaza-Hilfsschiff-Debakel
daran zu arbeiten begonnen haben – und seit Erdogans Machtübernahme generell an
einem sich von NATO und Co. abnabeln arbeiten.

Weiterhin kaufen sie nicht ohne Grund Unmengen an südkoreanischer Technologie – incl. ganzer Panzerfertigungsanlagen
ein.

WILLE: Die Türken werden immer größenwahnsinniger……